Der Hamburger Dom (Alter Mariendom)

  • Ansicht des Doms, kolorierte Radierung von Johann Marcus David, 1803. (Quelle: Staatsarchiv Hamburg, Inv.-Nr. 131-05=03/91)
  • Die große Halle des Doms, Kupferstich von F. A. Brückner nach einer Zeichnung von G. Eifre, 1804. (Quelle: Staatsarchiv Hamburg, Inv.-Nr. 131-5=3/131)
  • Der Kenotaph wurde im 18. Jahrhundert entfernt. Benedikt selbst beziehungsweise sein Leichnam  wurde wenige Jahre nach seinem Tod (in Hamburg) nach Rom überführt. (Quelle: Staatsarchiv Hamburg, Inv.-Nr. 131-5=3/188)

Die Geschichte des Doms führt zurück bis zur Entstehung der Hammaburg zu Anfang des 9. Jahrhunderts. Die als militärischer Vorposten an der Grenze des Karolingischen Reichs erbaute Burganlage diente der Verteidigung und als Stützpunkt der Missionierung des Nordens. Anfangs stand in der Hammaburg eine hölzerne Taufkirche. Mit der Bischofsweihe Ansgars im Jahre 831 dürfte an ihrer Stelle eine der Jungfrau Maria geweihte Kathedrale entstanden sein. Burg und Dom wurden ab 845 mehrmals bei Wikingerüberfällen zerstört und später wieder aufgebaut.

Mit der Wahl von Adaldag zum Erzbischof gewann das Erzbistum Hamburg 937 an Bedeutung. Trotzdem muss Hamburg auch zu jener Zeit noch als abgelegener Außenposten gegolten haben. Nicht umsonst hatte Kaiser Otto I. verfügt, den von ihm im Jahre 964 abgesetzten Papst Benedikt V. nach Hamburg zu verbannen.

Zu Anfang des 11. Jahrhunderts wurde die unter Ansgar begründete klosterähnliche Gemeinschaft aus zwölf Geistlichen wiederbelebt.

Zu Anfang des 13. Jahrhunderts, als die wachsende Handelsstadt Hamburg eine Befestigung in Form einer Ziegelmauer erhielt, wurde der bestehende Dom durch ein Backsteingebäude ersetzt. Vermutlich haben wir es hier mit dem Ursprung der 1329 eingeweihten und 1806 abgebrochenen Basilika zu tun. Viele Um- und Anbauten haben in den nachfolgenden Jahrhunderten den Dom vergrößert. Der jüngste Teil des Baus war unzweifelhaft die große, spätgotische Halle. Anfangs nutzte das Tischleramt diese als Verkaufsraum für Truhen und Schränke. Später wurde sie auch zur Abhaltung des erstmals 1329 belegten Weihnachtsmarktes genutzt. Noch heute trägt der große Jahrmarkt auf dem Heiligengeistfeld deshalb den Namen „Hamburger Dom“.

Bis zur Übernahme durch die Stadt 1803 bildete das Domgebiet mitten im Herzen Hamburgs eine eigenständige Einheit, die nicht dem Rat unterstand. Grundlage hierfür war die von Kaiser Otto I. verliehene Immunität. Bis zur Reformation war außerdem zum Neubau der Kirchen, zur Änderung des Gottesdienstes, der Einführung neuer Kirchenfeste und sogar bei allen kirchlichen Stiftungen die Genehmigung des Domkapitels einzuholen. Es besaß zudem das Patronat über alle Kirchen Hamburgs und betrachte diese als Einnahmequelle. Zudem verlangte das Domkapitel in weltlichen Angelegenheiten den Vortritt vor den Ratsherren, was es mit dem Instrument des Bannes auch durchsetzte. Entsprechend hatte der Rat im Hinblick auf die Domimmunität größtes Interesse an der reformatorischen Entwicklung denn mit ihr wurde der „Tyrannei und Schinderei mit Bannen als Gräuel und Ekel bei dem Volk“ ein Ende bereitet.


Text: Joachim Frank