Lutherdenkmal

  • (Foto: Michael Ostendorf)
  • Grab der Familie Sengelmann. (Foto: Michael Ostendorf)
  • Das Lutherdenkmal. (Foto: Michael Ostendorf)
  • Das Lutherdenkmal. (Foto: Michael Ostendorf)

Moorfleet ist den meisten Menschen wohl nur durch einen Einkauf bei IKEA bekannt. Dabei lohnt sich ein Abstecher in den alten Dorfkern hinein zur St. Nikolaikirche im Moorfleeter Kirchenweg. Der Weg führt direkt zu einem Stück Hamburger Kirchen- beziehungsweise Reformationsgeschichte. Das liegt nicht nur daran, dass hier seit 1966 das Lutherdenkmal des Berliner Künstlers Harro Magnussen steht, das ursprünglich zur Lutherkirche an der Karpfangerstraße im Kirchspiel St. Michaelis gehörte, die 1906 eingeweiht und 1943/44 durch Bomben zerstört wurde.

Das Messingguss-Standbild zeigt Luther fast in Lebensgröße. Im Hintergrund ist die Kirchentür der Schlosskirche in Wittenberg zu erkennen. Luther hält den Hammer in der rechten und seine 95 Thesen in der linken Hand. Er ist bereit. Bereit seine Kritik am Ablasswesen und am Papsttum zu veröffentlichen. Seine Bewegung und seine Entschlossenheit sind erkennbar.

Als Reformator hat Martin Luther etwas in Bewegung gesetzt und die Kirche verändert. Und gerade hier in Moorfleet hat es Menschen gegeben, die den Weg der Veränderung ebenso beschritten haben. Menschen, die Notwendigkeiten erkannt haben und Not wenden wollten. Hier wurde Johann Wilhem Rautenberg (1791–1865) am 1. März 1791 geboren. Geprägt von den Theologen Friedrich Schleiermacher (1768-1834) und August Neander (1789–1850) gründete er zusammen mit Johann Gerhard Oncken (1800–1884) 1825 eine Sonntagsschule in Hamburg-St. Georg. Arme Kinder sollten Lesen und Schreiben lernen und eine christliche Erziehung erhalten. 1832 wurde Johann Hinrich Wichern (1808–1881), der spätere Gründer des Rauhen Hauses, als Oberlehrer in der Nachfolge Onckens eingestellt.

Im Geburtshaus Rautenbergs und im Pastorat richtete Heinrich Matthias Sengelmann (1821–1899), der am 10. Juli 1846 seine erste Pfarrstelle in Moorfleet angetreten hatte, 1850 eine Arbeitsschule für Jungen ein. Im Dezember 1852 wurde er zum Diakon an St. Michaelis berufen. Da der Bedarf ein Plätzen immer größer wurde, kaufte Sengelmann ein Haus, das er St. Nikolaistift nannte. 1860 erwarb er dann ein Anwesen mit Wohnhaus, Scheunen und Land in Alsterdorf, wo ab 1863 auch sogenannte „Idioten“ aufgenommen wurden. Für diese wurde ein Neubau errichtet. Die Arbeitsschule siedelte von Moorfleet nach Alsterdorf über. 1866 wurde Sengelmann auf eigenen Wunsch als Diakon in St. Michaelis entlassen, um sich ganz auf Alsterdorf konzentrieren zu können.

Es ist wohl nicht zu viel gesagt, wenn man den Beginn der Hamburger Diakonie hier in Moorfleet verortet.

Aber auch in der St. Nikolaikirche gibt es vieles zu entdecken. Vor allem zwei Dinge in Beziehung zu Luther und seiner reformatorischen Theologie sind beachtlich: Ein Beichtstuhl und ein Tabernakel, also ein künstlerisch gestaltetes Sakramenthaus. Die St. Nikolaikirche ist eine der wenigen Lutherischen Kirchen, die einen Beichtstuhl bekommen hat. Dieser wurde 1769 zur Zeit des Pastors J. C. Klefeker neu erbaut. Das zeigt, dass auch in Lutherischer Tradition die Ohrenbeichte durchaus noch praktiziert worden ist.


Text: Michael Ostendorf