Krypta im Mahnmal St. Nikolai

Theater/Schauspiel

Krieg der Worte

Reformation auf Hanseatisch

Krypta im Mahnmal St. Nikolai

Willy-Brandt-Straße 60 · 20457 Hamburg
Theater Mignon

Am 31. Oktober 1517 nagelt der Mönch Martin Luther 95 Thesen an die Tür der Wittenberger Schlosskirche. Seine Hammerschläge hallen durch ganz Europa und verändern das Gesicht der Christlichen Kirche für immer.

Etwa zur selben Zeit droht in Hamburg ein Aufstand: Während die Elbfischer, Handwerker, Höker und Kramer hungern, führen die reichen Kaufleute schiffsweise Korn aus und verdienen sich eine goldene Nase. Nur mit Müh und Not und einem neuen Rezess gelingt es dem Hamburger Rat, die aufgebrachten Bürger zu besänftigen – vorerst...

Denn die Unzufriedenheit wächst. Von der Geistlichkeit ist keine Hilfe zu erwarten. Statt sich um das (Seelen)heil der Hamburger Bürger zu kümmern, versehen sie ihren Dienst nur nachlässig, streichen reichlich Geld für Seelenmessen ein und halten sich Huren, obwohl sie doch ewige Keuschheit gelobt haben. 

Doch es gibt Ausnahmen: An St. Nikolai wettert Johannes Zegenhagen gegen die Missstände, am Dom predigt Dekan Albert Krantz gegen den Lebenswandel der Priester, an St. Jacobi verbreitet Johann Fritz und an St. Katharinen Stefan Kempe die neuen Ideen. 1524 wählt die Gemeinde St. Nikolai den Weggefährten Luthers, Johannes Bugenhagen, zum ersten Hauptpastor. Doch der Rat verhindert dessen Einsetzung – vorerst...

Diese Protagonisten wollen wir persönlich kennen lernen. Im Lutherjahr 2017 wird die Nikolaikirche nach fast 500 Jahren wieder zum Schauplatz der Reformation in Hamburg. Das Publikum wird Zeuge, wie die Unruhen wachsen, erlebt die wichtigsten Begegnungen und Predigten live und ist schließlich hautnah bei der berühmten Disputation zwischen Befürwortern und Gegnern der neuen Lehre dabei. 

In Lübeck, Danzig, Stralsund, Münster oder Göttingen gibt es Tumulte und Bilderstürme. Altäre und Heiligendarstellungen in den Kirchen werden zerstört, Bürgermeister und Ratsherren werden aus der Stadt gejagt. Wird es den Hamburger Akteuren gelingen, solche Ausschreitungen zu verhindern? In dieser Disputation soll entschieden werden, wie die Hamburger in Zukunft leben und glauben wollen.

Dabei erwartet die Gäste durchaus kein Fachstreit unter Theologen: Mit Hilfe von Luthers Übersetzung des Neuen Testamentes können die Zuhörer jedes Argument kontrollieren – im 16. Jahrhundert eine völlig neue Ausgangslage. Die Grenze zwischen Publikum und Schauspielern verschwimmt: dieser Streit geht jeden etwas an!