Hauptkirche St. Michaelis

Konzert

Konzert zum Reformationstag

500 Jahre Reformation | Felix Mendelssohn Bartholdy

Hauptkirche St. Michaelis

Englische Planke 1 · 20459 Hamburg
Foto: M. Zapf

Symphonie Nr. 2 B-Dur, op. 52

»Lobgesang – Eine Symphonie-Kantate nach Worten der heiligen Schrift«.

Im Sommer 1840 wurde in Leipzig als einer der Hochburgen des Buchhandels der 400. Jahrestag der Erfindung der Buchdruckkunst gefeiert. Neben anderen Festlichkeiten fand in der Thomaskirche ein Festkonzert statt, als dessen Schlussstück der »Lobgesang« fungierte. Das Leipziger Bürgertum feierte die Erfindung des Buchdrucks als Sieg des Lichts über die finsteren Mächte des Mittelalters, als Sieg der Aufklärung über das Bildungsprivileg von Adel und Klerus. So deuten die von Mendelssohn selbst ausgewählten Psalmworte darauf hin, dass er die Erfindung des Buchdrucks als Instrument zur Überwindung der »Werke der Finsternis« ansah, gestützt auf die »Waffen des Lichts« und »Licht und Morgenrot«, zwei Sinnbilder der Aufklärung. Dieser optimistischen Grundhaltung entspricht das helle B-Dur der Grundtonart und der gelegentlich etwas unbekümmert anmutende Schwung der einleitenden Sinfonia und der großen Chorsätze.


Symphonie Nr. 5 D-Dur op. 109

»Reformation«

Bereits nach der Rückkehr von seiner ersten Englandreise im Jahre 1829, also im Jahre seiner legendären Wiederaufführung der Matthäuspassion von Johann Sebastian Bach, begann Mendelssohn die Arbeit an seiner Reformationssymphonie, deren Veröffentlichung er sich voller Selbstkritik allerdings zeit seines Lebens widersetzte. Erst gut zwanzig Jahre nach seinem Tod  erschien seine eigentliche 2. Symphonie im Druck als 5. Symphonie. Insofern folgt die Reihenfolge des heutigen Festkonzertes zum Reformationsgedenken der eigentlichen Chronologie.

Mendelssohns Ziel war es, dieses »protestantische« Werk anlässlich der 300-Jahr-Feier des Augsburger Bekenntnisses (Confessio Augustana) fertigzustellen und aufzuführen. Diesen Plan konnte Mendelssohn jedoch nicht umsetzen, erst im November 1832 stellte er das Werk erstmals in der Berliner Singakademie der Öffentlichkeit vor. Vorausgegangen war im Sommer ein Versuch, die Symphonie in Paris aufzuführen, der nach zwei von geplanten acht Proben am Widerstand des Orchesters scheiterte. Das Werk »sei gar zu scholastisch (…) zu viele Fugatos, zu wenig Melodie und dergleichen mehr«. Für den erfolgsverwöhnten jungen Mendelssohn war dies eine bittere Niederlage, die ihn selbst sechs Jahre später (1838) noch quälte.

In einem Brief an den Dirigenten Julius Reitz schreibt er: »Die Reformations-Symphonie kann ich gar nicht mehr ausstehen, ich möchte sie lieber gar verbrennen, als irgend eines meiner Stücke, soll niemals herauskommen.«

Was für ein Glück, dass es nicht so weit gekommen ist, gerade die geniale Synthese zwischen dem »scholastischen« Prinzip mit seinen alten Kompositionstechniken und dem immer wieder aufblitzenden Mendelssohn’schen Feuer, machen dieses Meisterwerk aus.

Ein Sommernachtstraum der Reformation.


Felix Mendelssohn Bartholdy:
Symphonie Nr. 2 B-Dur op. 52 »Lobgesang«
Symphonie Nr. 5 d-Moll op. 107 »Reformationssymphonie«

Chen Reiss – Sopran
Bettina Pahn – Sopran
Werner Güra – Tenor
Chor St. Michaelis
Concerto con Anima – auf Originalinstrumenten
Ingeborg Scheerer – Konzertmeisterin
Christoph Schoener – Leitung

Zusätzliche Informationen

Einlass ab 19.15 Uhr
Abendkasse ab 19.00